Rückblick auf das 13. Indische Filmfestival in Stuttgart

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Gewinner des 13. Indischen Filmfestivals Stuttgart

Die Gesellschaftssatire Thithi von Raam Reddy ist zum Abschluß des 13. Indischen Filmfestivals Stuttgart im Metropol Kino in Stuttgart mit dem German Star of India in der Kategorie Spielfilm ausgezeichnet worden. Der German Star of India in der Kategorie Kurzfilm geht an Leeches von Payal Sethi. Cecilia von Pankaj Johar wurde mit dem German Star of India in der Kategorie Dokumentarfilm ausgezeichnet. Der Spielfilm Die Zeit der Frauen – Parched von Regisseurin Leena Yadav gewann den Director’s Vision Award. Den Audience Award vergab das Publikum an 7 Göttinnen – Angry Indian Goddesses von Pan Nalin. Im Wettbewerb wurden Preise im Gesamtwert von 7.000 Euro vergeben.

Nahezu 60 aktuelle Filmproduktionen aus ganz Indien gaben einen einmaligen Einblick in das neue indische Kino. Starke Frauen in Indien bildeten den Themenschwerpunkt. Der diesjährige Ehrengast, die indische Schauspielerin Tannishtha Chatterjee, feierte mit ihrem neuen Film Zeit der Frauen, der im Oktober in die deutschen Kinos kommt, Deutschlandpremiere. Das Filmbüro Baden-Württemberg begrüßte bei Filmen, Rahmenprogramm und ‚Indian Summer’ nahezu 6.000 Festivalbesucher.

German Star of India für Spielfilm Thithi

Der große Gewinner des Festivals heißt Thithi von Raam Reddy. Der mit 4.000 Euro dotierte German Star of India, der vom Hauptsponsor des Festivals, Honorarkonsul Andreas Lapp, gestiftet wird, würdigt laut Jurybegründung eine absurde Gesellschaftssatire epischen Ausmaßes. Nach dem Tod eines 101-jährigen Landbesitzers und Patricharchen bricht die Ordnung in der Familie zusammen. „Ein bemerkenswerter erster Film und ein einnehmendes Porträt einer Welt voller Charaktere, die sich mit bemerkenswerter Leichtigkeit entwickeln, während ihre persönlichen Schwächen sich uns voller Humor und Liebe offenbaren“, begründet die Jury ihre Entscheidung.

Der Regisseur und Autor Raam Reddy wurde in Bangalore geboren. Er studierte am St. Stephen’s College in Neu-Delhi Fotografie und schrieb zeitgleich seinen Debütroman It’s Raining in Maya (2011). Sein Film-Debüt feierte der junge Regisseur im Jahr 2012 mit dem Kurzfilm Ika, der international ausgezeichnet wurde. Nachdem er im Jahr 2013 sein Regiestudium in Prag abgeschlossen hatte, gründete er ‚Prspctvs Productions’ und drehte seinen ersten Langspielfilm Thithi (2015).

Kurzfilmpreis an Leeches

Der mit 1.000 Euro dotierte Kurzfilmpreis geht an Leeches von Payal Sethi. „Mit der Thematisierung der ‚One Day Brides‘ und den zugehörigen institutionellen Machenschaften zeigt uns der Regisseur wie wichtig nach wie vor filmische Rache- und Widerstandsphantasien zur Verarbeitung gesellschaftlicher Fragestellungen sind“, lautet die einstimmige Meinung der Jury. Eine böswillige Amme will ein Mädchen an einen reichen Geschäftsmann verkaufen. Die Schwestern der Kinderbraut versuchen, diesen Deal zu verhindern.

Cecilia gewinnt in Kategorie Dokumentarfilm

Die Dokumentation Cecilia von Pankaj Johar überzeugte die Jury. Der Regisseur des mit 1.000 Euro dotierten Dokumentarfilmpreises zeige in eindringlicher Weise die unerträgliche Schattenseiten der indischen Gesellschaft. Menschenhandel, Kinderarbeit, Gewalt gegen Schutzlose, Erpressung, Korruption. Ein 14-jähriges Mädchen wird aus seinem Dorf von einer dubiosen Arbeitsvermittlung an ein wohlhabendes Paar in Delhi verkauft. Dort nimmt es sich das Leben. Seine Mutter, Cecilia, die ebenfalls in Delhi als Haushaltshilfe arbeitet, kann nicht fassen, welche Verzweiflung ihre Tochter in den Tod getrieben haben mag. „Geschickt überschreitet Pankaj Johar immer wieder Genregrenzen zwischen Dokumentation, investigativem Journalismus und spannender Kriminalgeschichte“, urteilt die Jury.

Eine lobende Erwähnung in der Kategorie Dokumentarfilm erhielt Fireflies in the Abyss von Chandrashekhar Reddy, der die menschenunwürdigen Umstände in illegalen Kohlebergwerken schildert.

Director’s Vision Award an Die Zeit der Frauen

Die Zeit der Frauen – Parched von Regisseurin Leena Yadav wurde mit dem Director’s Vision Award ausgezeichnet. Dieser Preis richtet sich an RegisseurInnen, die in ihrem Filmbeitrag ambitioniert den Blick auf einen kulturellen, sozialen oder gesellschaftlichen Missstand richten. Der von den Medien stark beachtete Eröffnungsfilm, der in Stuttgart in Anwesenheit der Regisseurin Leena Yadav und der Schauspielerin Tannishtha Chatterjee seine Deutschlandpremiere feierte, bedeindruckte die Jury: „Dafür, dass Leena Yadavs Film Die Zeit der Frauen – Parched mit solcher Ehrlichkeit und solch tiefem Verständnis die private Welt unterdrückter Frauen im ländlichen Indien hervorhebt, die nach Liebe, Sex und Freiheit – den patriarchalen Normen zum Trotz – lechzen. Voller Elan und Bildgewalt erhebt Leena Yadav das Ringen dieser starken Frauen zu einem inspirierenden Porträt der Befreiung.“

Ministerpräsident empfing Ehrengäste

Tannishtha Chatterjee war der große Stargast des Festivals. Mit drei aktuellen Filmen im Festivalprogramm war die engagierte Powerfrau des indischen Kinos eine gefragte Interviewpartnerin. Auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann begrüßte den Mega-Star aus Indien anlässlich eines deutsch-indischen Gedankenaustausches im Marmorsaal des Neuen Schlosses in Stuttgart, zu dem Kretschmann gemeinsam mit dem Stuttgarter Unternehmer Andreas Lapp, Honorarkonsul der Republik Indien für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie Hauptsponsor des Indischen Filmfestivals Stuttgart, eingeladen hatte. In Anwesenheit des indischen Botschafters Gurjit Singh gab Kretschmann in dieser Runde bekannt, dass er Ende Januar 2017 mit einer Delegation nach Indien reisen werde.

Kulturaustausch baut Vorurteile ab

„Stuttgart, die Landeshauptstadt im Herzen Baden-Württembergs, ist prädestiniert, der Hotspot deutsch-indischer Beziehungen zu werden, mit einem starken Filmfestival im Zentrum“, betonte Festivalleiter Oliver Mahn. Dabei gelte: Je erfolgreicher das Festival, desto interessanter und attraktiver der Rahmen. Warum das so ist, erklärte Mahn wie folgt: „Weil durch Kulturaustausch Emotionen vermittelt und Vorurteile abgebaut werden. Erst dadurch werden Abkommen und Partnerschaften mit persönlichen Kontakten, Erfahrungen und positiven Erinnerungen erfüllt und können erfolgreich gelebt werden.“

Mehrere Vorstellungen ausverkauft

Mehrfach hieß es an der Festivalkasse: „Sorry, ausverkauft“ – etwa beim Schultag Ottaal. Auch der Kino-Hit 7 Göttinnen und der Thriller TE3N mit Leinwandgott Amitabh Bachchan lockten die Fans des indischen Kinos ins Metropol. Auf dem Roten Teppich, der fünf Tage lang direkt in die Welt des neuen indischen Kinos führte, begrüßte das veranstaltende Filmbüro Baden-Württemberg neben zahlreichen Filmgästen aus Indien – darunter die langjährige Kuratorin Uma da Cunha – auch die Kuratorin Therese Hayes aus den USA. Das Rahmenprogramm punktete mit den von der Robert Bosch Stiftung geförderten ‚Tea Talks’, einem Tanzworkshop und dem ‚Indian Summer’, zu dem Hauptsponsor Andreas Lapp Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur begrüßte.

Zum Vormerken: das 14. Indische Filmfestival Stuttgart findet vom 19. bis 23. Juli 2017 statt.

[Presse- und Bildmaterial von: Filmbüro Baden-Württemberg]

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