Shah Rukh Khan bringt Zee.One Germany an den Start

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Mit Zee.One startet unter Geschäftsführerin Friederike Behrends der erste Bollywood Free-TV Sender Deutschlands als Tochter der Zee Entertainment Enterprises Limited (ZEEL). Die Muttergesellschaft ist bereits in 171 Ländern vertreten, allein in Indien unterhält sie 33 Kanäle, 38 internationale Kanäle und acht HD-Sender.

Gelöste Atmosphäre bei bleibender Skepsis

Auch wenn das Motto des Abends anlässlich der dramatischen Ereignisse in München, die noch lange nicht vergessen sind, von „I feel Bolly good“ in „Die Welt ist meine Familie“ geändert wurde, herrschte eine gelöste Stimmung – zu verdanken wohl auch den wundervollen Tanzeinlagen von D4Dance. Zugleich konnte allerdings die vorherrschende Skepsis, ob sich ein Bollywood-Sender in Deutschland wohl tatsächlich rentabel durchsetzen würde, nicht vollkommen beseitigt werden.

Nach nur einem Jahr Vorarbeit und viel finanzieller Unterstützung seitens der ZEEL-Mutter soll Zee.One nun also den deutschen Markt erobern. Markenbotschafter ist deshalb niemand geringerer als Shah Rukh Khan – der Baadshah von Bollywood. Hier allerdings scheint die Kenntnis über Bollywood recht schnell zu versiegen: So wurden z. B. die Namen bekannter Bollywood-Stars falsch ausgesprochen. Auch die Zielgruppen-Definition scheint zweifelhaft. Umso erfrischender war die kurze Ansprache von Siegfried Schneider, Geschäftsführer und Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien. Er gab unumwunden zu, sich erst anlässlich des Zee.One Launches über YouTube mit Bollywood auseinandergesetzt zu haben. Daumen hoch!

Daneben waren auch einige bekannte Größen aus dem deutschen Fernsehen und aus sonstigen Medienbereichen wie auch aus der Politik zugegen, darunter der indische Botschafter Gurjit Singh, der extra aus Berlin angereist kam. Viele zeigten eine gesunde Neugier an Bollywood und dem inzwischen 50-jährigen Star, der noch immer eine so große Schar junger Mädchen (und auch Jungs) vor den Eingang des Bayerischen Hofes locken konnte.

Shah Rukh Khan wirkt professionell, aber müde

Die erste Begegnung mit Shah Rukh Khan fand für uns hinter den Kulissen statt: Der pure Zufall schickte uns einen Shah Rukh Khan über den Weg, der abgehetzt, distanziert und abweisend wirkte. Kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, dass er gerade erst einen langen Flug hinter sich hatte und bereits seit Stunden mehrere Interview- und Fototermine absolvierte.

Shah Rukh KhanEr zog sich vor dem offiziellen Launch nochmal zurück und tauchte dann so professionell wieder auf, wie wir ihn kennen. Gerade Haltung, stolzer und zugleich sanfter Blick, hier und da eine Pointe an der richtigen Stelle. Profi durch und durch. Auf den lieb-provokanten Wink mit dem Zaunpfahl, dass er jetzt noch mehr Filme drehen muss, die Zee.One zeigen kann, antwortete er: „Das mache ich mein ganzes Leben lang, versprochen!“

Allerdings – eine kurze Unterbrechung gab es während des Interviews dann doch: Ein kleines Mädchen erklomm die Bühne und drohte zu fallen. Nachdem Shah Rukh Khan darauf hinwies, dass sich das Kind wehtun könnte, eilte er schließlich selbst zu ihr, um – ganz der Held, der er ist – wieder mal ein Mädchen in Nöten zu „retten“.

Als dann der offizielle Start anstand, wollte der rote Buzzer erst nicht so, wie er sollte. Eine kleine Panne, die vielleicht symbolisch für die möglichen Startschwierigkeiten steht, die mit jedem größeren Projekt verbunden sind. Schließlich kam der Knall dann doch noch, der die Gäste mit viel pinkem Glitzer und Glamour bewarf: Zee.One ist on air!

Anschließend zog Shah Rukh Khan sich erneut zurück, die ersten Gäste verließen die Veranstaltung. Kurz bevor auch wir aufbrechen wollten, mischte er sich in Begleitung der Senderchefin wieder unter die noch immer zahlreich anwesenden Gäste, schüttelte Hände, ließ sich fotografieren. Er war charmant, liebenswürdig, galant – doch aus der Nähe sah er auch müde und erschöpft aus.

Fans enttäuscht

ZeeOne und TV-SpielfilmDerweil sammelten sich vor den Türen des Bayerischen Hofes immer mehr Fans, was umso erstaunlicher war, da Zee.One bis zuletzt über den Ort der Veranstaltung Stillschweigen bewahrt hatte. Junge Menschen bejubelten ihren Star so laut, dass wir ihre Schreie noch in der sechsten Etage deutlich hören konnten. Und den Hinweis, wo er zu finden ist, gab Shah Rukh Khan selbst:

✔ Er hatte gepostet, dass er nach München aufgebrochen ist.
✔ Er postete, dass er gelandet ist.
✔ Und er postete ein Foto von einer Statue, die schließlich auch das Hotel verriet, in dem er sich aufhielt.

Einige Glückliche bekamen die Gelegenheit für ein Autogramm oder Foto mit dem King of Bollywood, manche sahen ihn vom Balkon winken – andere warteten viele Stunden vor dem Hotel, ohne ihn zu Gesicht zu bekommen. Dies ist vermutlich einem sehr eng gestrickten Zeitplan geschuldet, der weder den Jetlag noch persönliche Bedürfnisse des Schauspielers berücksichtigte oder Ruhepausen vorsah. Selbst geladene Gäste wurden nicht in seine Nähe gelassen, wenn sie nicht unmittelbar von der Presse waren oder zu wichtigen Unterstützern des Senders zählten.

Nach den ersten Sendetagen von Zee.One zeichnet sich ebenfalls ein eher enttäuschtes Bild unter den Bollywood-Fans ab: Das Versprechen, keine Musik- und Tanzeinlagen aus den Filmen zu schneiden – wie es über die sozialen Medien gegeben wurde – konnte schon in den ersten Ausstrahlungen nicht eingehalten werden. So fehlte bei Chennai Express der Song „One Two Three Four – Get on the Dance Floor“ – ein No Go! Dass die Synchronisation neu bearbeitet werden musste, ist verständlich, die Durchführung wirkt allerdings aufgelegt, wortfalsch und lieblos.

Bleibt abzuwarten, wie sich die Zukunft des Senders entwickelt – mehr Leidenschaft für das Produkt, das verkauft werden soll, wäre jedoch wünschenswert.

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